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  • Susanne Tenzler

Neanderthal Museum Mettman: Inklusiver Museumsrundgang mischt haptische und digitale Elemente

Wegesrand-App Game „Neanderthal: Memories“ lässt blinde und sehbehinderte Besucher*innen in die Welt der Neanderthaler eintauchen



(Mettmann / Mönchengladbach, 13. April 2021) Nicht erst seit Corona muss auch die Museumswelt die digitale Transformation meistern. Die Digitalisierung von Beständen steht dabei ebenso auf der Agenda wie die Entwicklung neuer, oft game-basierter Ausstellungskonzepte und interaktiver Lösungen für die Besucheransprache.

Rund 1,2 Mio. Menschen in Deutschland sind blind oder sehbehindert. Das Neanderthal Museum in Mettmann hat unter Federführung des Blinden- und Sehbehindertenverbands Nordrhein e.V. (BSVN) und mit weiteren Kooperationspartnern 2019 das Forschungsprojekt „NMsee“ initiiert, welches einen neuartigen und inklusiven Museums-Rundgang für blinde und sehbehinderte Besucher*innen entwickelt. Dabei werden ein Bodenleitsystem, taktile Exponate und Schilder mit einer zusätzlichen medialen Ebene in Form eines App Games kombiniert.

Das KI-basierte App Game „Neanderthal: Memories“ wurde von Wegesrand entwickelt, einem der Innovationstreiber von digitalen und immersiven Lösungen für die Museumswelt in Deutschland. Es bietet nicht nur ein barrierefreies, sondern ein inklusives – also gleichberechtigtes und gleichwertiges – Spielerlebnis für Menschen mit Sehbehinderungen. Für den Museumsrundgang nutzt die App Beacon-Technologie und QR-Codes, eine K.I. navigiert die Besucher*innen mithilfe barrierefreier Wegbeschreibungen.

Wegesrand hat zahlreiche Projekte und Anwendungen entwickelt, bei denen Instrumente wie Gamification oder Serious Games eine zeitgemäße und effiziente Wissensvermittlung ermöglichen. Auf der Referenzliste stehen u.a. die Leibniz Gemeinschaft, das Landesmuseum Zürich, Stiftung Preußischer Kulturbesitz Deutschland sicher im Netz (DsiN), Digitale Gesellschaft e.V., die Joachim-Herz-Stiftung, die Bertelsmann Stiftung.

„Inklusion und Digitalisierung ist ein wichtiges Handlungsfeld“, sagt Wegesrand-CEO Thorsten Unger, seit vielen Jahren anerkannter Experte für Serious Games und Gamification. „Es geht darum, mit spielerischen, digitalen Konzepten Nutzungsbarrieren abzubauen und eine echte Teilhabe zu ermöglichen.“

Geschichte wird im Game lebendig

„Neanderthal: Memories“ vermittelt einem breiten Publikum auf inklusive Weise Wissen über unsere Menschheitsgeschichte. Dabei bietet das Spiel einen niedrigschwelligen und empathischen Einstieg in dieses komplexe Thema, ergänzt durch aktuelle Informationen und Details aus der Neanderthaler-Forschung. Spieler*innen können dabei den Informationsgrad jederzeit selbst bestimmen. Beim Besuch können sowohl nur die Game Story, die Game Story mit Infoelementen als auch nur die wissenschaftlichen Informationen genutzt werden.

Die Narrative nimmt dabei an jeder Station Bezug auf die neuen Tastobjekte des Museums, um eine Verbindung zwischen Digitalem und Materiellem in der Ausstellung zu erzeugen. Durch den klaren Fokus des Games auf auditive Inhalte entsteht auch für sehende Spieler*innen keine Konkurrenz zwischen digitalen Inhalten und den Museumsobjekten; beide ergänzen sich über mehrere Sinneserlebnisse (Hören, Tasten, ggf. Sehen). Über die spielbare und beeinflussbare Narrative wird ein bisher unbekannter empathischer Bezug zu den Menschen der Vergangenheit erzeugt, der normalerweise in der nüchternen Inszenierung mit Fundobjekten und Textplatten schnell verloren geht. Spieler*innen wird emotional die Menschlichkeit unserer ältesten Vorfahren vermittelt, und ein kleiner Einblick in eine steinzeitliche Lebenswelt gewährt.

Die sonst so abstrakten „Höhlenmenschen“ werden im Game lebendige, fürsorgliche Familienmitglieder, die genau wie heutige Menschen streiten, helfen, sich beraten und sich Geschichten erzählen. Wichtig ist, dass das gesamte Spiel dabei ungehindert mit und ohne Sehbehinderung bedient werden kann. So wird sowohl für sehende als auch nicht sehende Menschen ein neuer Einblick in die vergangene Welt der letzten Eiszeit geschaffen.

K.I. als Reiseführer in die Eiszeit

Neanderthal: Memories bietet nicht nur ein barrierefreies, sondern ein inklusives – also gleichberechtigtes und gleichwertiges – Spielerlebnis. Durch das für Neanderthal: Memories entwickelte Beacon-System erhalten Spieler*innen standortsbezogen neue Spielinhalte und Navigationshilfen, die besonders Menschen mit Sehbehinderungen dabei helfen, selbstbestimmt und ohne Fremdhilfe das Game im Museum zu nutzen. Kombiniert wird die Beacon-Technologie mit einem besonderen Steuerungssystem, das auf einer Screenreader-ähnlichen Bedienung aufbaut. Das inklusive Screen Design des Games setzt ergänzend für Menschen mit Sehbehinderung auf starke Kontraste, serifenlose Schrift und ästhetisch reduziertes Design. Durch den klaren Fokus des Games auf auditive und tastbare Inhalte ist Neanderthal: Memories komplett „blind“ spielbar.

Essenziell für die Entwicklung ist insbesondere das Zusammenspiel der Beacon-basierten Indoor-Navigation mit dem ortungsbezogenen Audio-Gameplay. Im Spiel helfen die Besucher*innen dem Geist der Eiszeit-Jägerin Nami, mit den Erinnerungen an die letzte Reise mit ihrem Sohn abzuschließen.

Über Gehör und Tastsinn werden dabei an 14 Stationen taktile Exponate erkundet, die Nami an ihre Vergangenheit erinnern und Themen wie z.B. Werkzeuge, Ernährung oder Steinzeit-Malerei behandeln. Mithilfe einfacher Gestensteuerung werden an jeder Station wichtige Entscheidungen getroffen. Diese Entscheidungen beeinflussen, ob Nami ihren Sohn Lemminki gut auf das Leben in der Eiszeit vorbereitet und ob sie das Sommerlager sicher erreichen. Diesem Branched Narrative-Ansatz zufolge erleben die Besucher*innen je nachdem, welche Entscheidungen sie treffen, einen anderen Verlauf und ein anderes Ende der Erzählung.

Während der gesamten Reise werden die Besucher*innen von der künstlichen Intelligenz (K.I.) „NMsee“ begleitet. Die K.I. hilft bei der Suche nach Tast-Objekten, navigiert die Besucher*innen mithilfe barrierefreier Wegbeschreibungen durch die Ausstellung, und stellt aktuelle Informationen über Archäologie, die Steinzeit und Humanevolution zur Verfügung. Um die Spielinhalte standortabhängig bereitzustellen, d.h. nur an der dafür vorgesehen Spiel-Station, nutzt die App Beacon-Technologie und QR-Codes. Sobald sich die Besucher*innen einer Station annähern, wird von der App das spezifische Bluetooth-Signal des Stations-Beacons empfangen, und automatisch ein QR-Code Scan gestartet. Wenn der taktil markierte QR-Code der Station mit dem Handy gescannt wird, starten die K.I. und Nami den dort vorgesehenen Audio-Content. Die genaue Verortung der Besucher*innen mithilfe von Beacons dient dabei nicht nur dem Gameplay, sondern ist auch essenzieller Bestandteil für die Indoor-Navigation. Abhängig vom empfangenen Beacon-Signal, weiß die App, wo sich der/die Besucher*in in der Ausstellung befindet, und kann dementsprechend standortabhängige, barrierefreie Wegbeschreibungen zu verschiedenen Zielen im Museum geben.

Die Wegesrand-Gruppe

Wegesrand engagiert sich in den Bereichen Bildung, Games und Film. Mit einem umfangreichen Expertennetzwerk erschließt das Unternehmen insbesondere vor dem Hintergrund der Digitalisierung Innovationspotentiale. Interdisziplinäre Teams aus dem unterschiedlichen Gewerken der digitalen Medienproduktionen schaffen einzigartige Lösungen, u.a. interaktive Erlebnisse in für Museen. Zur Wegesrand-Gruppe gehört ein Verbund an Beteiligungen, der unterschiedliche Gewerke innerhalb der digitalen Medienerstellung abdeckt, unter anderem die Trainingsentwicklung, Serious Games, Gamification, Games und IP-Development. Wegesrand hält Beteiligungen unter anderem an Unger & Fiedler, IndieAdvisor & Company und an Linked Dimensions. www.wegesrand.net

Das Neanderthal Museum

Am 10. Oktober 1996 wurde mitten im Neandertal, wo 1856 das weltweit bekannteste Humanfossil geborgen wurde, das neue Neanderthal Museum eröffnet. Mit rund 160.000 Besuchern im Jahr gehört es zu den erfolgreichsten archäologischen Museen in Deutschland. Seine multimediale Präsentation wurde national und international mehrfach ausgezeichnet und zuletzt 2016 aktualisiert.

Das Projekt NMsee wird ermöglicht von der Stiftung Wohlfahrtspflege und der Kämpgen Stiftung. Die neue Infrastruktur für Menschen mit Sehbehinderung wird von der NRW-Stiftung und dem Landschaftsverband Rheinland LVR gefördert. Weitere neue Tast-Exponate werden von der Aktion Mensch unterstützt. Das inklusive Mobile Game und die neue Infrastruktur werden mit folgenden Unternehmen umgesetzt: Wegesrand GmbH und Co KG; Monokel - Films, Games, Transmedia; Inkl. Design. Die wissenschaftliche Betreuung liegt in den Händen von: Universität Heidelberg (Dr. Stefanie Samida & Prof. Dr. Cord Arendes); PBSA Düsseldorf (Prof. Uwe J. Reinhardt MA).

www.neanderthal.de

Kontakt

Wegesrand GmbH & Co.KG

August Pieper Straße 10

41069 Mönchengladbach

E-Mail: kontakt@wegesrand.net

Telefon: +49 2161 9620294

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Susanne Tenzler-Heusler

Telefon: +49 173 378 66 01

E-Mail: s.tenzler-heusler@wegesrand.net


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